Woche 29 / 2018

Musik hält Körper und Geist auf Trab


Die Aussage «Ich bin zu alt für das!» mag auf vieles zutreffen, jedoch nicht auf die Musik. Dass auch Seniorinnen und Senioren in der Lage sind, Neues zu lernen, zeigt das neu aufgegleiste Angebot der Musikschule Triengen «Musik und Bewegung 60+». Unter der Leitung der Musik-Geragogin Silvia Fischer können Seniorinnen und Senioren, egal ob mit oder ohne musikalischen Vorkenntnisse, Musik erfahren, die körperlichen Fähigkeiten ausbauen und vor allem die Koordination verbessern. Denn mit Rhythmusübungen, verschiedenen Tänzen, gemeinsamem Singen oder sogar der Kombination dieser Dinge werden beide Hirnhälften gebraucht. So bleiben Hirn und Geist aktiv.


«Die musikalische Arbeit mit älteren Personen ist hier noch nicht so sehr verbreitet, wird aber immer ein grösseres Thema», erzählt Rolf Stirnemann, Leiter der Musikschule Triengen. Nur in der Stadt Luzern und in Sursee gäbe es bereits vergleichbare Angebote. Silvia Fischer, Blockflötenlehrerin der Musikschule Triengen, nahm sich dieser Thematik an und machte die Weiterbildung zur Musikgeragogin an der Hochschule Luzern. Dieser sehr neue Studiengang soll Musikerinnen und Musiker, Fachpersonen aus der Kulturarbeit sowie auch Menschen aus dem Feld der sozialen Arbeit ausbilden, um Seniorinnen und Senioren mit musikalischen Mitteln den Alltag zu bereichern und die Lebensqualität nachhaltig zu fördern. «Ich wurde von Anfang an sehr von der Musikschulkommission und -leitung unterstützt. Sie brachten dieser Idee ein grosses Interesse entgegen », erzählt Silvia Fischer. Der Pilotversuch des Kurses «Musik und Bewegung 60+» begann im Spätherbst letzten Jahres. Durch viel Werbung liessen die Anmeldungen nicht auf sich warten.

Der Kurs besteht aus zehn Lektionen à 45 Minuten. Als Einstieg in die Lektion wird jeweils ein kurzes Einsingen gemacht oder der Körper mit einfachen Bewegungen aktiviert. Danach folgen Rhythmusübungen oder Bodypercussion im Sitzen, Stehen oder Laufen. «Es hat für jede körperliche Verfassung etwas dabei», erklärt die Musikgeragogin. Mit Rhythmusinstrumenten oder auch Alltagsgegenständen werden verschiedene Rhythmusmuster gespielt. Rhythmen mit aufeinanderschlagenden Baumnüssen zu spielen, fördert nicht nur die Musikalität, sondern auch das Sensorische und Spielerische. «Sobald man einem Menschen einen Gegenstand in die Hand gibt, probiert er es aus. Diese fast kindliche Neugierde stirbt auch im Erwachsenenalter nicht», so Fischer.

Doch Unterschiede zum Unterricht mit Kindern gibt es natürlich schon. «Die Erwachsenen wollen die Hintergründe kennen und wollen verstehen, was sie machen», erzählt Silvia Fischer. Die erwachsenen Menschen seien sehr ehrgeizig und hätten einen hohen Anspruch an sich selber. Dies sei aber sehr spannend, denn man sei auf gleicher Augenhöhemit den Lernenden. Manchmal kämen auch spontane Ideen von denKursteilnehmenden, die Fischer dann in den Kurs einfliessen lässt.

«Es herrscht immer sehr gute Stimmung, wir lachen sehr viel miteinander », erzählt Fischer. Denn auch wenn die Übungen manchmal nicht ganz klappen, habe man trotzdem grossen Spass – und für Spass ist man nun wirklich niemals zu alt.

MICHELLE HÄFLIGER