Woche 4 / 2020

Mehr als nur ein jahrzehntelanges Hobby


Seit der fünften Klasse tanzt der mittlerweile 42-jährige Josef Zemp aktiv in der Tanzgruppe der Trachtengruppe Dagmersellen mit. Heute ist er OK-Präsident des 50-Jahr-Jubiläums, welches am 25. Januar mit einem abwechslungsreichen Festprogramm im Pfarrei- und Gemeindezentrum Arche in Dagmersellen gefeiert wird. Unter dem Motto «Zäme fäschte» werden neben dem Chor, der Erwachsenen- und der Kindertanzgruppe der Trachtengruppe Dagmersellen auch zahlreiche Gastvereine und ehemalige Mitglieder zum Gelingen des Abends beitragen.


Tracht ist nicht gleich Tracht, so viel steht fest. Käser Zemp erklärt, dass es in mehreren Ausführungen in jedem Kanton eine Werktags-, eine Sonntags- und eine Festtagstracht gebe. Die Werktagstracht wurde, wie der Name schon sagt, zur täglichen Arbeit getragen und weist keinerlei Verzierung auf, ist vielmehr an der einfachen Knopfleiste am Kleid der Frauen zu erkennen. Die Sonntagstracht wurde zum sonntäglichen Gottesdienst getragen und zeichnet sich durch Blumenstickereien und Schnürungen aus. Mit edlen Stoffen wie Samt oder Seide kommt die Festtagstracht daher, die nur zu besonderen Anlässen hervorgenommen wurde. In der Regel trägt die Trachtengruppe Dagmersellen die Luzerner Sonntagstracht. Stammt ein Vereinsmitglied aber aus einem anderen Kanton, wie zum Beispiel das Ehrenmitglied Käthy Waltert aus Bern, so darf auch dessen Tracht getragen werden. Die Frage, ob dies auch für das Bayerische Dirndl gelte, verneint Zemp schmunzelnd. «Nur ausnahmsweise darf Brigitte Kuster, die als ehemalige Chorleiterin und Ehrenmitglied beim Jubiläumsfest zusammen mit Werner Hodel moderieren wird, ein Dirndl tragen, weil sie Österreicherin ist.» Zu den jährlichen Aktivitäten der Trachtengruppe Dagmersellen gehören neben Alters- und Geburtstagsständli auch das sehr beliebte Buure-Zmorge, welches ebenfalls von Zemp organisiert wird, und der Backwaren-Stand an der Kilbi Dagmersellen. Alle zwei, drei Jahre findet zusätzlich ein Konzert mit Gesang und Tanz statt, bei dem der gemeindeübergreifende Chor aus Dagmersellen und Pfaffnau/Roggliswil, die Erwachsenentanzgruppe Dagmersellen/Reiden sowie die Kindertanzgruppe Dagmersellen auftreten.

Schon fast Familientradition
Josef Zemp selbst ist durch seine Mutter, die mit 45 Jahren Vereinszugehörigkeit schon fast zum Urgestein der Trachtengruppe Dagmersellen gehört, zur Tanzgruppe gekommen. Heute sei von den sechs Geschwistern der Familie Zemp, die im Kindesalter allesamt in der Trachtengruppe getanzt haben, nur noch er selbst Mitglied, dies aber – so wird im Interview bald klar – mit viel Herzblut. Bereits mit 20 Jahren übernahm Josef Zemp das Amt des Präsidenten, welches er neun Jahre lang innehatte. Daneben war er Tanzleiter und jetzt seit langem Kassier, organisiert Feste und Veranstaltungen und hat mit vier eigenen Kindern tatkräftig für Nachwuchs in der Kindertanzgruppe gesorgt. Janick, Corina und Nadja freuen sich, seit August jede Woche zum Tanztraining zu gehen. Nur der Jüngste, Marco, ist mit seinen vier Jahren manchmal nicht ganz so motiviert, erklärt die Mutter. Jolanda Zemp stammt gebürtig aus Triengen und spielt seit 19 Jahren in der dortigen Trachtenmusik Akkordeon. Am 25. Januar wird aber auch sie sich in Dagmersellen einfinden, um zusammen mit der Trachtenmusik Triengen als Gast im Rahmen des Festprogrammes aufzutreten. Dass Josef Zemp seine Frau Jolanda bei der Trachtengruppe Triengen kennengelernt hat, verwundert nicht wirklich. «Ich habe damals die Ausbildung in Wilihof gemacht und habe dann noch bis 2008 in Triengen mitgetanzt. Noch heute bin ich Vereinsmitglied und übernehme die Festwirtschaft.» Befragt zu seinem persönlichen Highlight innerhalb der vielen Jahre, die er sich nun schon bei der Trachtengruppe Dagmersellen engagiert, meint er ohne lange überlegen zu müssen: «Ganz klar das 30-Jahr-Jubiläum. Das habe auch ich mitorganisiert. Damals wurde ‹gefäschtet› bis zum Morgengrauen. » Der Festakt habe sich über drei Tage erstreckt, vom Barbetrieb am Freitag, über das Konzert am Samstag bis hin zum Gottesdienst mit Gründerehrung am Sonntag. Ob das diesjährige 50-Jahr-Jubiläum wohl einen neuen Höhepunkt in Josef Zemps Vereinstätigkeit beschreiben wird? Bereits jetzt lässt sich sagen, dass der OK-Präsident das Wiedersehen mit den Ehemaligen bei den Proben sehr geniesst. Alles andere wird sich zeigen. Bankettkarten können noch bis 20. Januar sowie Plätze für das Konzert bis 24. Januar unter 062 756 34 42 reserviert werden.

CHRISTINE BURTOLF